Als ich gestern durch die DVD-Regale im Kaufhaus schlenderte, stand er plötzlich vor mir, “Der beste Film über Fußball, der je gemacht wurde” (The Observer) von Philippe Parreno und Douglas Gordon. Gehört hatte ich von ZIDANE – Ein Porträt im 21. Jahrhundert natürlich schon, hatte dieser Film doch bereits 2006 in Cannes Premiere, und obwohl ich ihn immer sehen wollte, war es bis gestern nie dazu gekommen.
Schon der Vorspann zeigt wo es hingehen soll. Vor dem Hintergrund eines auf die Bildpunkte herangezoomten Fernsehbildes lassen sich die Autoren des Film viel Zeit ihre Credits einzublenden. Vergrößerte Ausschnitte des Fernsehers wird man auch im weiteren Verlauf des Films immer mal wieder sehen, als Kontrast zum eigentlichen Kern der Arbeit, den Close-Ups und Halbtotalen des Protagonisten Zinedine Zidane, beim Spiel Real Madrid gegen den FC Villareal.
Die Aufnahmen bestechen durch Schärfe und Farbkontrast, sowie stilistisch guten bis herrausragend gewähltem Bildaufbau. Die Musik von Mogwai hinterlegt “Atemberaubend schöne Bilder” (DVD-Text) und unterstreicht die Stimmung des Spiels, das hier in voller Länge gezeigt wird, die Kameras immer auf den Stürmerstar fokusiert, nur selten unterbrochen, durch andere Sequenzen, wie eine Aneinadereihung von Nachrichtenbildern des Tages, ziemlich überraschend nach der ersten Halbzeit des Films. wäre der Film ein Gemälde, es wäre ein Pollock… oder wäre es zumindest gerne, denn eins ist sicher:
Das ist der langweiligste Film über Fußball den ich je gesehen habe. Die Filmemacher wollten ein Kunstwerk schaffen, eine experimentelle Art, die Gedankengänge der französischen Legende zu erfassen, und stellenweise gelingt es ihnen sogar. Doch nach spätestens 20 Minuten verliert sich der Film in seiner Monotonie. Der sperlich in Untertiteln eingestreute “Kommentar Zidanes” besteht nur aus hochtragenden Sätzen, die unter anderem, ironisch zum Gesehenen, darauf hinweisen, dass der Stürmer sich an seine Spiele nicht in Echtzeit erinnert, und wiederholen sich sogar teilweise. Man versucht mit aller Gewalt einen Kunstfilm zu drehen, und hat am Ende nicht einmal einen richtigen Film gemacht. Am ehesten ist es ein im Direkt Cinema angesiedelter Dokumentarfilm, jedoch überlässt man es ganz der Einbildung des Zuschauer sich aus dem unspektakulär geschnittenen Material seine Nährwert herauszulesen, auch wenn dieser vielleicht gar nicht vorhanden ist. Eine Sportübertragung eines wenig spektakulären Spiels ohne Kommentator und mit der Kamera meist weit weg vom Ball. Fußball als wäre es Golf.

Nach dieser Pleite wollte ich mich lieber einem Film widmen der mehr Unterhaltung und weniger Arthaus versprach. Glücklicherweise war gerade GOAL III – Das Finale erschienen. Die vorrangegangenen Teile der Trilogie rund um den aufstrebenden mexikanischen Stürmer Santiago Muñez, der es erst nach Newcastle schafft und später zu Real Madrid wechselt, gehören zwar nicht zu den Filmen, die sich Hoffnung auf eine goldene Palme machen könnten, jedoch wissen sie zu unterhalten, und sie zeigen das, was man als Fußball-Fan in einem Film über Fußball sehen will: Fußball.
Der dritte Teil spielt während der WM 2006 in Deutschland, also bester Vorraussetzungen, und schon in den Ersten Einstellungen sehen wir Santi, gespielt von Kuno Becker, im grünen Trikot seiner Heimat, bereit für das Spielfeld. Nur leider wird es bei dieser Einstellung bleiben, den Santiago bricht sich bei einem Autounfall, mit seinen englischen Freunden Charlie und Adam, den Arm und wird von da an vom erwarteten Protagonisten des Films zum Nebendarsteller deklassiert, sogar zum Statisten. Die in GOAL – Leben deinen Traum und GOAL II – Der Traum ist Real so wichtige Freundin Roz, sein Agent Glen und der Mitspieler Harris sind sogar ganz verschwunden, ohne dass dafür eine nähere Erklärung geliefert würde. JJ Feid in der Rolle von Adam und Leo Gregory als Charlie werden schließlich für die englische Nationalmannschaft nominiert und sind die neuen Helden der Reihe. Der Film währe als Spin-Off zum GOAL-Franchise zu sehen, währe auch nur einer der beiden bereits vorgekommen, so ist es einfach nur ein Film der zufällig den gleichen Namen trägt, und leider kein guter. Zwar sind die Geschichten der Beiden, die sich jeweils um eine Frau drehen und auf klassischen Coming of age Stoff setzt, nicht völlig unüberlegt, aber in jedem Fall nicht zu ende gedacht. Der Erzählfluß ist viel zu schnell, was der Verteilung des Films auf beide Spieler zu schulden sein dürfte und natürlich den Fußballspielen, die aber ebenfalls enorm an Raum verloren haben, sitzen doch die beiden Engländer fast nur auf der Bank. Die Spielaufnahmen fallen durch schlechtes Greenscreen-Compositing auf und wollen so gar nicht überzeugen. Alles in allem der schwächste GOAL-Teil, wenn es denn einer war, und nach jahrelangen warten eine echte Enttäuschung. Regie führte der Musikvideo-Regisseur Andrew Morahan. Für ihn war es nicht das erste kritisch aufgenommene Franchise, erlebte er doch ähnliches schon bei Highlander III.
Würde ich nun beide Werke gegeneinander Antreten lassen, so müsste das Ergebnis wohl 1:0 für ZIDANE lauten, nach schwachen 90 Minuten.